Mercedes-Chef Källenius setzt unbeirrt aufs China-Geschäft

Alles auf Rot-China?

Mercedes-Chef Källenius setzt unbeirrt aufs China-Geschäft: Alles auf Rot-China?
Erstellt am 5. September 2022

Mercedes-Benz steckt in einem Dilemma. Die Umsätze sind toll, die Renditen und Margen glänzend - aber der Stern macht seine großen Geschäfte zu einem großen Teil im großen China. Mit einem Anteil von über einem Drittel am weltweiten Absatz von Mercedes-Benz Pkw ist China der größte Absatzmarkt des Erfinders des Automobils. Das bringt den Stern, dessen größten Einzelaktionäre übrigens zwei chinesische Unternehmen sind, auch in eine gewisse Abhängigkeit zu dem chinesischen Markt. Darüber hinaus nehmen die politischen Spannungen zum einen in der Region zwischen China und Taiwan und zum anderen mit den westlichen Industrienationen zu. Eine enge wirtschaftliche Verflechtung mit China und/oder eine Abhängigkeit vom chinesischen Absatzmarkt ist in diesen Tagen alles andere als risikolos. Trotzdem will Mercedes-Chef Källenius weiter auf das China-Geschäft setzen, wie er im Interview mit der WELT AM SONNTAG sagte. Spielt Källenius Vabanque? Wie groß ist das Wagnis, das er eingeht?

Mercedes-Chef Källenius: Ohne China steht der Stern schwächer da

China ist für den Fahrzeugbauer mit schwäbischen Wurzeln längst zur zweiten Heimat geworden. Nur 20 % der in China verkauften Mercedes-Benz-Fahrzeuge werden importiert. Der Großteil der Sterne für den chinesischen Markt werden von chinesischen Kooperationspartner in China gefertigt. Für die neue Luxustrategie braucht Källenius gut betuchte Konsumenten. Er hat sie in großer Zahl im wirtschaftlich boomenden Reich der Mitte ausgemacht.

Nun steht China nicht erst seit seiner indifferenten Haltung im Russland-Ukraine-Krieg in der Kritik von USA und EU. Manch einer befürchtet, dass die aktuellen politischen Spannungen sich negativ auf die wirtschaftlichen Beziehungen zu China auswirken könnten - mit zum Teil schwerwiegenden Folgen für Konsumenten und Unternehmen in Europa und Amerika. Drohen Embargos, Sanktionen, Wirtschaftskrieg? Für Mercedes-Chef Ola Källenius käme ein solches Szenario zur Unzeit. Der Erfinder des Automobils kann auf den chinesischen Absatzmarkt nicht nur nicht verzichten, es ist darüber hinaus elementarer Bestandteil der Mercedes-Zukunftsstrategie, das Geschäft in China weiter ausbauen und zu intensivieren. „Sich in China zu begrenzen, würde uns schwächer machen. Das kann nicht die Strategie sein“, sagte Ola Källenius.
Für falsch und völlig abwegig hält es Källenius ferner, die globalisierte Wirtschaft zu entflechten, wie manche Politiker es in diesen Tag immer lauter fordern: „Wenn man glaubt, dass die chinesische Wirtschaft von der europäischen oder der amerikanischen entflochten werden könnte, ist das eine völlige Illusion. Es hätte dramatische Konsequenzen für die Weltwirtschaft, die mit denen des Ukraine-Kriegs in keiner Weise vergleichbar wären“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Mercedes-Benz Group AG.

Mehr zum Thema

Mercedes-Luxustrategie geht auf. Aber wie lange geht das gut? Der Stern will Wenigen das Beste bieten. Abhängigkeit von China wächst Die Luxusstrategie der Mercedes-Benz Group ist im 1. Quartal 2022 aufgegangen. Mercedes gewinnt viel und wagt nicht wenig.

Update: China greift nach dem Stern Ministerpräsident Kretschmann: Mercedes-Übernahme lassen wir nicht zu Der chinesische Chinas Einfluss ist bei Mercedes-Benz gewachsen. Droht dem Stern eine feindliche Übernahme?

E-Auto-Attacke aus China: BYD will Deutschland elektrifizieren From Zero to Premium-Hero: China-BYD setzt beim Vertrieb auch auf renommierte Mercedes-Partner BYD, weltgrößter E-Auto-Hersteller, startet den Autoverkauf in Deutschland - zum Vertriebsnetz gehören auch renommierte Mercedes-Partner

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Login via Facebook

Community