Seit 1930 stellt Mercedes-Benz die Papstwagen. Vor 75 Jahren erhielt Papst Pius XI. einen Mercedes-Benz Typ Nürburg 460 als Geschenk von der Daimler-Benz AG. In den folgenden Jahrzehnten lieferte Mercedes-Benz dem Vatikan verschiedene aufwändig umgebaute Limousinen, Landaulets und Geländewagen in Sonderausführung als offizielle Fahrzeuge des Heiligen Vaters. So verbindet seit 95 Jahren eine enge Beziehung die Stuttgarter Automobilmarke mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche.
Papst Pius XI und der Nürburg 460
Der Passagier war begeistert. Die einstündige Probefahrt mit seinem neuen Mercedes-Benz in den Gärten des Vatikans hatte Papst Pius XI. sichtlich gefallen. Von einem „Wunderwerk moderner Technik“ schwärmte der Heilige Vater, als er aus der Pullman-Limousine vom Typ Mercedes-Benz Nürburg 460 stieg. Der noble Wagen mit dem Stern auf der Kühlerhaube war dem Papst von einer Delegation der Daimler-Benz AG übergeben worden und sollte in den nächsten Jahren Geschichte machen – als erstes Automobil, das regelmäßig von einem Papst benutzt wurde. Dieser erste Mercedes-Benz, den Papst Pius XI. im Sommer vor 95 Jahren erhielt, war nichts weniger als der Beginn einer engen Verbindung zwischen dem Vatikan und dem Stuttgarter Automobilunternehmen.
Die G-Klasse als Papamobil
Denn Mercedes-Benz schenkte in den folgenden Jahrzehnten dem Vatikan regelmäßig Automobile, die aufwändig für den Papst umgebaut wurden. In den vergangenen 45 Jahren sind durch Fernsehen und Zeitungsbilder vor allem die Papstwagen auf Basis von Mercedes-Benz Geländewagen der G-Klasse und M-Klasse bekannt geworden. Insbesondere die Reisen von Papst Johannes Paul II. haben die in den vatikanischen Farben Perlmutt und Gold lackierten Geländefahrzeuge mit der charakteristischen transparenten Kuppel weltweit berühmt gemacht.
Aber auch die Landaulets und Limousinen auf Basis der S-Klasse gehören zum öffentlichen Bild des Papstes. Zwischen dem Mercedes-Benz Typ Nürburg und dem aktuellen Papstwagen, einer elektrischen G-Klasse G580EQ mit Sonderaufbau, liegt eine kleine Markengeschichte der aus Stuttgart stammenden Automobile für den Heiligen Vater.
Nach dem 2. Weltkrieg folgt ein 300 d „Adenauer-Mercedes“
Das erste moderne Modell nach dem Zweiten Weltkrieg war ein Mercedes-Benz 300 d „Adenauer-Mercedes“, den Vertreter aus Untertürkheim 1960 an Johannes XXIII. übergaben – 30 Jahre nach der Probefahrt von Papst Pius XI. im Nürburg. Der Mercedes-Benz 300 d war als Landaulet mit verlängertem Radstand ausgeführt worden, also mit Verdeck für den Fond und festem Dach für die Vordersitze. Ein Landaulet des vom Mercedes-Benz Typ 600 brachte eine Delegation aus Stuttgart im Jahr 1965 in die Sommerresidenz des Papstes, wo Paul VI. den Wagen in Empfang nahm.
Vom W109 zum W126
In den beiden nächsten Jahren folgten gleich drei Fahrzeuge vom Typ 300 SEL der Baureihe 109. Für den Besuch von Papst Johannes Paul II. in Deutschland im Jahr 1980 entwickelte Mercedes-Benz dann den ersten Papstwagen mit durchsichtigem Aufbau auf Basis eines Geländefahrzeugs, die umgebaute G-Klasse erhielt der Vatikan 1982 zum Geschenk. 1985 wurde der vatikanische Fuhrpark um eine Limousine Mercedes-Benz 500 SEL (W 126) in Sonderausführung ergänzt.
Bitte nicht „Papamobil“ sagen
1997 folgte ein S 500 lang in Landaulet-Ausführung. Im Sommer 2002 schenkte DaimlerChrysler dem Heiligen Vater schließlich einen Papstwagen nach dem bewährten Muster der G-Klasse, als Basis des Fahrzeugs diente nun eine M-Klasse ML 430. Tradition und Würde Vom Typ Nürburg reicht die Geschichte der Papstwagen von Mercedes-Benz bis zur M-Klasse des Baujahrs 2002. Es ist eine Verbindung zwischen dem Heiligen Stuhl und der Stuttgarter Automobilmarke, die über mehrere Pontifikate hinweg gedieh und sich entwickelte. Das drückte sich auch immer wieder in der vertrauten, engen Zusammenarbeit zwischen Mercedes-Benz und dem Vatikan aus, wenn es um Konstruktion und Bau eines neuen Automobils für den Papst ging.
Aber auch die Päpste selbst hielten ihre Mercedes-Benz Fahrzeuge in Ehren. So richtete 2002 zur Übergabe der M-Klasse in Rom Papst Johannes Paul II. eine Bitte an die Medien: Die Sonderfahrzeuge, so der Papst im Interview, sollten besser nicht mit dem Begriff „Papamobil“ bezeichnet werden. Denn das, so der Heilige Vater, sei der Würde und dem Zweck dieser Automobile nicht angemessen.
Rückblick
Nach der Erfindung des Automobils 1886 dauerte es noch mehrere Jahrzehnte, bis der Vatikan erstmals ein Motorfahrzeug für den Papst einsetzte. Grund dafür war nicht etwa ein Vorbehalt gegen die moderne Technik, sondern die italienische Politik: 1870 war bei der Gründung des italienischen Nationalstaates der Kirchenstaat aufgelöst worden. König Vittorio Emanuelle II. bot dem damaligen Papst Pius IX. zwar eine eingeschränkte Souveränität an, doch dieser lehnte ab. In den folgenden sechs Jahrzehnten verließen die Päpste aus Protest gegen die ungelöste „Römische Frage“ die Vatikanstadt nicht mehr. Diese Situation änderte sich erst 1929 mit der Unterzeichnung der Lateranverträge zwischen Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri für den Vatikan und Ministerpräsident Benito Mussolini für das Königreich Italien. In den Verträgen erkannte der Vatikan Rom als Hauptstadt des italienischen Nationalstaates an, umgekehrt wurden Vatikanstadt und die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo als vatikanisches Hoheitsgebiet durch das Königreich anerkannt. Die Unterzeichnung der Lateranverträge 1929 gab dem Papst nicht nur ein neues Gewicht auf der internationalen politischen Bühne. Damit endete auch die fast 60 Jahre währende räumliche Beschränkung des Oberhauptes der katholischen Kirche auf die Vatikanstadt.
Ein Mercedes-Benz für den Papst?
Für seine Fahrten in die Sommerresidenz nach Castel Gandolfo, aber auch zu anderen Reisen, würde der Pontifex Maximus künftig häufig auf ein Automobil zurückgreifen. Luxuriöse Kraftwagen waren als Geschenke bereits seit 1909 in den Vatikan gekommen. Der Fuhrpark bestand im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts unter anderem aus Fahrzeugen der Marken Fiat, Bianchi, Graham-Paige, Itala und Citroën. Doch der Papst ließ sich nicht in den Motorwagen chauffieren. Für die Vatikanstadt brauchte der Heilige Vater schließlich kein Automobil, das 44 Hektar große Gebiet ließ sich bequem in einer Stunde zu Fuß umrunden. Außerdem galten weder Papst Pius X. (1903 bis 1914) noch sein Nachfolger Benedikt XV. (1914 bis 1922) als besonders interessiert an der modernen Technik des Kraftfahrzeugs. Anders Papst Pius XI. (1922 bis 1939), der fasziniert war von den Möglichkeiten des Automobils und der die Fahrzeuge des Vatikans auch bald nach dem Abschluss der Lateranverträge nutzte.
Robert Katzenstein hatte "DIE" Idee
Warum sollte der Heilige Vater diese Fahrten nicht in einem Mercedes-Benz unternehmen? Das fragte sich auch im Frühjahr 1929 Robert Katzenstein, Werbespezialist von Mercedes-Benz in Frankfurt am Main. Aus dem Gedanken reifte die Idee einer individuell für den Papst umgebauten Limousine als Geschenk von Mercedes-Benz an den Vatikan. Wie würde man in Rom wohl auf ein solches Präsent aus Deutschland reagieren? Katzenstein kannte Dr. Diego von Bergen, den deutschen Botschafter am Vatikan, und trug ihm seine Idee vor. Von Bergen fragte am Heiligen Stuhl nach, wie die Kurie wohl das Geschenk eines stattlichen Mercedes-Benz als offiziellen Wagen des Papstes aufnehmen würde. Die Antwort aus Rom fiel so positiv aus, dass Katzenstein sein Vorhaben umgehend der Unternehmensleitung vorstellte. Auch in Stuttgart stieß das Projekt des Mercedes-Benz Papstwagens auf Zustimmung und schon im Sommer 1929 begann die Detailplanung.
Heute fährt der Papst Elektro G-Klasse G580 mit EQ-Technologie
Das Fahrzeug wurde am 04.12.2024 von Mercedes-Benz CEO Ola Källenius im Vatikan persönlich an Papst Franziskus übergeben. Das neue Papamobil zeichnet sich durch einen emissionsfreien Antrieb aus, der auf die langsamen Geschwindigkeiten öffentlicher Auftritte optimiert wurde. Im Fond ersetzt ein höhenverstellbarer, drehbarer Einzelsitz die übliche Sitzbank, um maximale Flexibilität für den Papst zu bieten. Die Karosserie, von Hand gefertigt, integriert moderne Designelemente, bleibt jedoch der Tradition mit der klassischen Perlweiß-Lackierung treu.
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