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Warum AMG nach Le Mans zurückkehren sollte?

Kommentar: Warum AMG nach Le Mans zurückkehren sollte?
Erstellt am 16. Juni 2023

Le Mans! Motorsport-Fans aus aller Welt nennen die Kreisstadt im französischen Nordwesten im gleichen Atemzug wie Nürburgring, Spa Francorchamps, Daytona oder Indianapolis. Dabei hat Le Mans noch nicht einmal eine permanente Rennstrecke, nein, das Rennen zweimal rund um die Uhr wird zu einem Großteil auf öffentlichen Straßen ausgetragen.

Die Begeisterung für diesen Langstreckenklassiker ist ungebrochen. Über 300.000 Motorsport-Fans pilgerten diesem Jahr zum 24 Stunden Rennen und Millionen an Zuschauern verfolgten das dramatische Rennen am Bildschirm. Gleich mehrere Teams waren mit Hoffnungen auf den Gesamtsieg angereist, darunter auch Cadillac, Peugeot und natürlich Porsche, die ihr 75. Jubiläum gerne mit einem Gesamtsieg gekrönt hätten.

Aber Ferrari stand in diesem Jahr ganz oben auf dem Treppchen. Ausgerechnet Ferrari, die nach ihrer denkwürdigen Schlappe gegen die Marke Ford und deren GT40 über Jahrzehnte hinweg kein Interesse mehr an einem ernsthaften Kräftemessen zeigten. Erstmals seit den späten Sechzigern waren die Italiener 2023 wieder mit einem siegfähigen Auto in Le Mans angetreten und wurden dafür belohnt. Vor dem laufenden Kameras flossen dann nach dem Rennen mindestens ebenso viele Tränen der Rührung wie Champagner. Auch das gehört zu Le Mans.

Hier wurden in der 100-jährigen Geschichte des Langstrecken-Rennens wahrlich die großen Motorsport-Schlachten geschlagen. Fast schon episch die Rennsport-Legenden, die hier ihren Anfang nahmen oder ein brutales Ende fanden. Der biblische Kampf David gegen Goliath feierte seine Neuauflage in den Sechzigern an der Sarthe als dramatisches Duell zwischen Ford und Ferrari.  Porsche schmiedete seinen Ruf als Sportwagenmarke in der Glut des 24 Stunden-Feuers. Die Marke Mercedes-Benz erlebte hier, wie dicht Katastrophen und Glücksgefühle beieinander liegen. Für Toyota scheint Le Mans mehr eine Geschichte des Scheiterns, dabei sind die Japaner fünfmaliger Gesamtsieger. Für alle gilt: Wer ganz oben auf dem Treppchen stehen will, muss nicht nur den Wettbewerber bezwingen, sondern auch den Kampf gegen sich selbst und die Uhr gewinnen.

Die Verantwortlichen des veranstaltenden Automobile Club de l’Ouest (ACO) aber schauen nicht nur zurück auf die Legenden, sondern vor allem nach vorn in die Zukunft. Dass in diesem Jahr gleich drei Marken auf dem Treppchen standen und das Rennen bis zum Schluss offen war, dürfte den Verantwortlichen und ihrem Hypercar-Regelment Recht geben. Damit nicht genug. Für 2024 wird die GT Kategorie umgestaltet und aufgewertet. Denn Le Mans öffnet sich der Kategorie GT3. Ein kluger Schachzug, denn die GT3 treten weltweit gegeneinander an und ist somit auch ein weltweit erfolgreiches Format. Auf 600-800 GT3 Rennwagen schätzen Fachleute den aktuellen Bestand. Und damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Ford hat seinen neuen Mustang GT3 im Rahmenprogramm des französischen Langstrecken-Klassikers präsentiert, will ab 2024 wieder dabei sein und lockt mit einem günstigen Preis. Lamborghini hat auch einen eigenen GT3 angekündigt und Ferrari will neben dem Hypercar auf Kundenwunsch auch weiterhin GT3 Rennwagen anbieten.

Eigentlich also ein ideales Betätigungsfeld für AMG, die eines der erfolgreichsten Kundensportprogramme mit ihrem AMG GT3 auf die Beine gestellt haben . Die Anzahl der nationalen und internationalen Erfolge und Siege dürfte die Erwartungen mindestens erfüllt haben. Hinzukommt dass der AMG GT auch bei Motorsport-Fans ausgesprochen populär ist, umso erstaunlicher, dass AMG bislang sämtliche Nachfragen zum Thema Le Mans unverändert weiträumig aus dem Weg geht. Der frühere AMG-Chef Tobias Moers wollte von Le Mans nichts wissen und schob es auf das untaugliche Reglement. Seine Nachfolger halten sich zu dem Thema ebenfalls bedeckt und wenn man jemand direkt aus dem Bereich AMG Motorsport anspricht, dann ist auch da eine gewisse Vorsicht zu spüren. Niemand möchte sich anscheinend in die Nesseln setzen. Bei einem informellen Gespräch, geführt vor einiger Zeit während eines Besuchs an der Rennstrecke, äußerte sich ein Mitarbeiter des ACO, dass man sich natürlich bewegen würde, wenn ein überarbeitetes Reglement die großen Marken zurück nach Le Mans brächte. Man muss sagen, der ACO hat Wort gehalten, mit der Entscheidung hin zu den GT3 ist ein weiterer Schritt getan.

Aber was wird nun AMG machen? Bleiben die Affalterbacher der Veranstaltung nach wie vor fern? Oder gibt es bereits Pläne für ein Comeback? Die Fahrer-Mannschaft, aus der AMG schöpfen könnte, ist exzellent. Daran sollte es nicht scheitern. Über eine Rückkehr nach Le Mans würden sich sicherlich nicht nur Mercedes-Fans freuen.

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