Die schönste Art Mercedes zu fahren?

Besser als neu: Das Mercedes-Benz 280 SE 3.5 Cabriolet (W111)

Die schönste Art Mercedes zu fahren?: Besser als neu: Das Mercedes-Benz 280 SE 3.5 Cabriolet (W111)
Erstellt am 17. Juni 2020

Mercedes hat sein S-Klasse Cabriolet jüngst eingestellt und dieses dürfte in der
neuen Generation kaum die Chance auf eine Rückkehr haben. Dabei waren die
offenen S-Klassen begehrenswerter denn je und seit je her wahre Schönheiten – wie einst der Mercedes 280 SE 3.5.

Wer einen besonders exklusiven Cabrio-Klassiker aus deutschen Landen bewegen will und nicht auf Cent oder Euro schauen muss, kommt um das Mercedes-Benz 280 SE 3.5 Cabriolet kaum herum. Die legendäre Baureihe W 111 war schon bei ihrer Premiere im Herbst 1969 die wohl exklusivste Art, offen durch die Republik oder andere Länder zu fahren.

Nichts für die Nebenrolle: Der W111 spielt die Hauptfigur!

Vom spektakulären Topmodell 280 SE 3.5 mit seinem 3,5 Liter großen V8-Motor wurden dabei gerade einmal 1.232 Fahrzeuge gefertigt – viele gingen in die USA, wo sich Stars und Sternchen nur allzu gern mit dem offenen Luxusmodell aus schwäbischer Fertigung schmückten. So wundert es nicht, dass der 280 SE 3.5 bis heute seinen Platz in zahllosen Hollywood-Streifen hatte und hat. Angefangen von den Widersachern des verschrobenen Kommissars Columbo in den 1970ern bis hin zu Hangover vor rund zehn Jahren – der W 111 gab sich aufgrund seiner Präsenz auf der Leinwand wie im Alltag nur allzu ungern mit der ihm zugedachten Nebenrolle zufrieden.

Ein Statussymbol der Reichen und Schönen

Große Mercedes-Cabriolets waren nicht nur in den USA schon immer ein Statussymbol für die Eleganten, Reichen und Schönen. Und wer vor 50 Jahren am Steuer eines Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet saß, der hatte es auf der Karriereleiter ohne Zweifel ganz nach oben geschafft. „Guten Tag, Herr Direktor“, waren wohl die Worte, die W-111-Piloten beim Aussteigen aus ihrem Traumauto am häufigsten hörten. Bereits das elegante Coupé war ein echter Beau; doch noch mehr Eindruck machte die offene Ausführung des großen Sternträgers. Die Wagen der Baureihe W 111 / 112 werden auch Flachkühler genannt, denn ihr Kühlergrill war nach einem Facelift etwas breiter und niedriger als zuvor.

Ein Panorama aus Chrom und poliertem Edelholz

Zudem trugen die Stoßstangen nun Gummileisten. Der portalartige Grill, der trotz seiner Größe nicht protzig wirkt, ist in der Tat das Aushängeschild des 4,9 Meter langen und 1,8 Meter breiten Cabriolets. Nach dem Öffnen des Verschlages lässt man sich auf gemütlichen schwarzen Lederpolstern nieder und bewundert das Panorama aus Chrom und poliertem Edelholz, das sich vor Fahrer und Beifahrer ausbreitet. Das dünne Lederlenkrad mit dem verchromten Hupring versprüht zierliche Eleganz, ebenso der Automatik-Wahlhebel, der sich butterweich durch die verschachtelte Schaltgasse führen lässt. Und auch die kleinen schwarzen Schalter hinter dem Hebel verraten die luxuriöse Ausstattung des offenen Benz: Natürlich werden alle vier Seitenscheiben elektrisch versenkt.

Auch nach 50 Jahren kein bisschen müde

Das eigentliche Highlight des Wagens schlummert jedoch unter der Haube. Der 3,5 Liter große V8-Motor kam 1969 als Neuentwicklung an Bord und leistete 147 kW / 200 PS bei 5.800 Umdrehungen. Auch nach fünf Jahrzehnten kann der Achtzylinder allemal seine Insassen beeindrucken. Mit stoischer Ruhe gleitet der Wagen wie ein Kreuzfahrtschiff über die Straße, der Stern auf der Haube geht als Lotse voran. Der hydropneumatische Niveau-Ausgleich an der Hinterachse bügelt alle Unebenheiten glatt wie ein beflissener Diener die Falten am Anzug seines Herrn. Die Viergang-Automatik schaltet dabei so weich, dass sie sich selbst hinter manchen modernen Automaten nicht verstecken muss.

Nach Verbrauch fragt doch keiner!

Beim Tritt aufs Gaspedal aber stürmt der 1,7 Tonnen schwere Wagen mit Wucht voran, nur rund zehn Sekunden vergehen für den Spurt von 0 auf 100 km/h. Der hübsch gezeichnete Tachometer mit seiner Skala bis 240 ist auch nur milde übertrieben, denn die Höchstgeschwindigkeit des Cabrios liegt bei 210 km/h. Der Durchschnittsverbrauch von 19,5 Litern pro 100 Kilometer dürfte keinen der wohl betuchten Piloten dabei sonderlich gestört haben.

Der W111 bringt eine Menge an Sicherheits-Features mit sich

Der große Benz fuhr jedoch nicht nur in Sachen Leistung und Fahrkomfort im Cabrio-Segment ganz vorne mit. Dreipunktgurte, Knautschzonen, Scheibenbremsen rundum und die Keilzapfen-Türschlösser versprachen ein für damalige Zeiten beachtliches Sicherheitsniveau. Die steil aufragende Scheibe ist auch ohne Windschott ein solider Windschutz, auch wenn Aerodynamiker dabei wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Im Innern gibt es neben weichem Leder, Radio mit elektrischer Antenne und Holzdekor allerhand Luxuszierrat, wie es wohl nur ein Modell der 70er Jahre tragen kann.

Was kosten die Flachkühler gestern und heute?

In den letzten Jahren sind die Preise für die Flachkühler – und hier speziell für das Topmodell Mercedes 280 SE 3.5 – wahrhaft durch die Decke gegangen. Mercedes bietet ein frisch restauriertes Modell aus dem Baujahr 1970 mit gerade einmal 600 Kilometern auf dem Tacho für stattliche 699.490 Euro in seiner All-Time-Stars-Börse an. Bei der Auslieferung hatte der 3.5er Dank einiger Sonderausstattungen immerhin 35.361 D-Mark gekostet – inklusiv des optionalen Automatikgetriebes und der sehenswerten Lackierung in dunkelrotbrauch (Farbcode 460). Wer dieses Traumcabrio lieber in schmuckem silbermetallic bewegen möchte, bekommt an gleicher Stelle ein ebenfalls komplett restauriertes Fahrzeug für 691.890 Euro.

Top of the Pops: W111 von BRABUS aus Bottrop

Im gleichen Spektrum liegen die Luxusmodelle, die Edeltuner Brabus seit Jahren restauriert. Im Klassikbereich des Hauptsitzes in Bottrop werden gleich eine ganze Reihe von Mercedes 280 SE 2.5 in den verschiedensten Farbkombinationen angeboten. Inklusiv Wertgutachten in der Note 1+ und einem Sonderzertifikat für den Neuwagencharakter kosten die Autos jeweils 699.900 Euro. Die Restaurierung eines einzelnen Fahrzeugs dauerte dabei rund eineinhalb Jahre – und teure 2.500 Arbeitsstunden. Und wer selbst Hand anlegen will: selbst ein Fahrzeug in mittelmäßigem Zustand kostet schnell deutlich mehr als 100.000 Euro.

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