Klassensieg von AMG beim 24-Stunden-Rennen 1971

Die Rote Sau rast vor 50 Jahren zur Sensation von Spa-Francorchamps

Klassensieg von AMG beim 24-Stunden-Rennen 1971: Die Rote Sau rast vor 50 Jahren zur Sensation von Spa-Francorchamps
Erstellt am 27. Juli 2021

Dieses Rennen bringt AMG schlagartig auf die Bühne des Motorsports: Am 24. Juli 1971 gehen um 15 Uhr fast 80 Renntourenwagen an den Start der 24 Stunden von Spa-Francorchamps. Mittendrin im Feld fährt eine mächtige Mercedes-Benz Luxuslimousine der Baureihe W 109 über den Ardennenkurs. Es ist kein Werksrennwagen, sondern ein Fahrzeug, das von dem 1967 gegründeten Ingenieurbüro von Hans Werner Aufrecht und Erhard Melcher eingesetzt wird.

AMG hat diesen Vorläufer der Mercedes-Benz S-Klasse für das Langstreckenrennen umfassend vorbereitet, die Schwerpunkte liegen auf Motor und Fahrwerk. Die technischen Daten sind für Renntourenwagen der damaligen Zeit gigantisch: 315 kW (428 PS) aus 6.835 Kubikzentimetern Hubraum, bis zu 620 Newtonmeter Drehmoment, eine Spitzengeschwindigkeit von mehr als 265 km/h und ein Beschleunigungsvermögen aus dem Stand auf 100 km/h in 6,1 Sekunden. AMG 300 SEL 6.8 lautet der Name des roten Rennwagens – auch wenn der Stern auf dem Kühler klar auf die Stuttgarter Marke verweist.

AMG kitzelt aus dem W109 sagenhafte 428 PS

Der Firmenname AMG ist 1971 noch nicht weithin bekannt, geläufig vor allem sportlich ambitionierten Liebhabern leistungsgesteigerter Mercedes-Benz Automobile. Die Anfangsbuchstaben der Nachnamen Aufrecht und Melcher und des Orts Großaspach (dort arbeiten die beiden Gründer in den 1960er-Jahren erstmals zusammen an Rennmotoren) ergeben das Kürzel. Unternehmenssitz ist eine ehemalige Mühle im Nachbarort Burgstall.

Hans Heyer und Clemens Schickentanz lassen die S-Klasse fliegen

Am Ende der 24 Stunden von Spa-Francorchamps 1971 hat sich die Marke AMG über Nacht einen Ruf in der Welt des Rennsports verschafft. Denn Hans Heyer und Clemens Schickentanz fahren im 300 SEL 6.8 auf einen sensationellen Platz 2 im Gesamtklassement und sichern sich den Sieg in ihrer Klasse. Selbst die renommierte Nachrichtensendung „Tagesschau“ der ARD berichtet über den Rennsportcoup in Belgien. Die Zeitschrift „auto motor und sport“ feiert ihn als „Schwabenstreich“.

Auf den langen Geraden eine Wucht: Die Rote Sau!

Dieser Rennerfolg vor 50 Jahren ist aber absolut keine Selbstverständlichkeit. Denn die große, 1.635 Kilogramm wiegende Limousine (immerhin 195 Kilogramm leichter als die Serienversion) muss sich in dem belgischen Marathonrennen gegen ein Feld flinker Renntourenwagen behaupten. Zum Glück liegt dem Fahrzeug der alte Kurs von Spa-Francorchamps – 14,863 Kilometer lang und mit vielen Geraden, auf denen Vollgas gefahren werden kann. Der 300 SEL 6.8 hält sich wacker und rast zuverlässig durch die Nacht, während immer mehr Fahrzeuge aus dem Rennen ausscheiden: Im Morgengrauen sind noch 23 Wagen unterwegs, ganze Werksmannschaften haben ihre Flaggen gestrichen. Der Außenseiter aus Affalterbach zieht weiter seine Bahnen und kommt schließlich als zweites Fahrzeug unter den 18 verbliebenen Renntourenwagen ins Ziel.

Die Ardennen-Achterbahn ruft!

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Für die Performance- und Sportwagen-Marke Mercedes-AMG und für Mercedes-AMG Motorsport ist der Erfolg bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps vor 50 Jahren ein Meilenstein in der Markengeschichte. In diesem Jahr gehen insgesamt 13 von Kundenteams eingesetzte Mercedes-AMG GT3 bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps (31. Juli bis 1. August 2021) an den Start. Einer der GT3 erinnert auf doppelte Weise an das Jubiläum: Sein Design ist angelehnt an den Renntourenwagen von 1971, und er trägt zudem die Startnummer 50.

Rote Sau Reloaded!

Ganz neu ist die Idee mit dem Retro-Design der "Roten Sau" allerdings nicht. Daimler selbst präsentierte 2006 einen Mercedes-Benz S 63 AMG „Thirty-Five“ (W 221) mit einer an den berühmten AMG-Renntourenwagen angelehnten Optik. 2011 gab es ein Heyer-Doppel mit Kenneth und Vater Hans Heyer, der das Original zusammen mit Clemens Schickentanz in Spa pilotiert hatte, diesmal mit SLS 63 AMG und einer 300 SEL-Replica. Last but not least präsentierte der Niederländer Ron Bussink bei mehreren MIB-Rallyes sowie der zurückliegenden Mercedes-FanWorld im Vorgriff auf das sich nähernde 50. AMG-in-Spa-Jubiläum eine "Rote Sau 2.0", also einen Mercedes-AMG GT im klassischen Look. Und vielleicht inspirierte diese Rote Sau 2.0 wiederum die bei dem geschichtsträchtigen Spa-Einsatz vom Team HubAuto eingesetzte #50 ? Wer weiß...

Mehr Rote Sau gibt es hier

Die Rote Sau genießt ihren Legendenstatus Mercedes-Benz 300 SEL AMG 6,8 – Nur etwas für harte Typen! „50 Jahre AMG!“ Schon ein halbes Jahrhundert werden in Affalterbach Leistungssportler und Highperformance-Automobile entwickelt. Zeit für die Rote Sau!

 

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